Führerscheinreform 2027: Was der Bundestag beschlossen hat und was noch offen ist

Grafik: Lenkrad, Autoschlüssel und Smartphone auf Zeitungspapier, Titel Führerscheinreform 2027: Was jetzt beschlossen ist

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BERLIN, 6. NOVEMBER 2026. Der Bundestag hat am Donnerstag den ersten Teil der Führerscheinreform beschlossen. Theorie per App, flexiblere Sonderfahrten, eine kürzere Prüfung und erstmals Übungsfahrten mit Eltern oder anderen Begleitpersonen sollen die Ausbildung billiger und schneller machen. Gelten soll das Meiste ab 1. Juli 2027. Was jetzt beschlossen ist, was noch fehlt und warum niemand eine feste Ersparnis versprechen kann.

Mit den Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und SPD nahm das Parlament den Gesetzentwurf 21/7404 in der vom Verkehrsausschuss geänderten Fassung 21/8979 an.[1][2] Geändert werden das Straßenverkehrsgesetz und das Fahrlehrergesetz. Damit steht der Rahmen. Viele Details, die Fahrschüler im Alltag spüren werden, regelt aber erst eine Verordnung des Bundesverkehrsministeriums, und beide Teile brauchen noch die Zustimmung des Bundesrats.

≈ 3.400 €kostet der Pkw-Führerschein laut Ministerium im Schnitt
1.7.2027geplanter Start der wichtigsten Regeln
40 Min.soll die praktische Prüfung künftig dauern, bisher 55
6Fahrstunden vor Übungsfahrten mit Begleitperson
Kupferroter Volkswagen T-Roc mit Fahrschul-Dachschild in Fahrt.
Fahrschulfahrzeug von Volkswagen. Symbolbild zur Führerscheinreform, das Foto dokumentiert keine Reformmaßnahme. Bild: Volkswagen AG

Was der Bundestag beschlossen hat

Die Führerscheinreform 2027 setzt an mehreren Stellen der Ausbildung gleichzeitig an. Nach den Berichten über die Abstimmung und dem beschlossenen Ausschusstext sind das die Kernpunkte:[2][3][4]

Bereich Bisher Geplant Wo geregelt
Theorieunterricht Präsenz in der Fahrschule Wahl zwischen App, Hybrid und Präsenz Gesetz und Verordnung
Theorieprüfung großer Fragenkatalog Fragenkatalog deutlich verkleinert Verordnung
Sonderfahrten 12 Pflichtstunden zu je 45 Minuten (Überland, Autobahn, Nacht) Anzahl nach Lernstand, Fahrlehrer und Schüler entscheiden Verordnung
Praktische Prüfung Klasse B 55 Minuten, davon mindestens 30 Minuten Fahrzeit 40 Minuten, davon mindestens 25 Minuten Fahrzeit Verordnung
Übungsfahrten mit Begleitperson nicht erlaubt möglich, wenn das jeweilige Bundesland mitmacht Gesetz, Landesverordnung
Transparenz Preise teils schwer vergleichbar Preise und Bestehensquoten in einer öffentlichen Datenbank Gesetz
Bürokratie für Fahrschulen umfangreiche Dokumentation viele Nachweispflichten entfallen Gesetz

Die Tabelle zeigt, warum der Beschluss vom Donnerstag noch nicht das Ende der Debatte ist. Die meisten Punkte, die direkt am Geldbeutel der Fahrschüler hängen, also Prüfungsdauer, Sonderfahrten und Theoriekatalog, stehen in der Ausbildungsverordnung. Diese ist ein eigener Rechtsakt, für den der Bundesrat ebenfalls zustimmen muss.

Gesetz und Verordnung: zwei Schritte bis zum Start

Erste Lesung des Regierungsentwurfs 21/7404 im Bundestag.
Der Verkehrsausschuss verschärft die Regeln für Übungsfahrten mit Begleitpersonen (Fassung 21/8979).
Bundestag beschließt das Gesetz in zweiter und dritter Lesung.
Bundesrat berät das Gesetz und die Ausbildungsverordnung des Ministeriums.
Geplanter Start der wichtigsten Regeln, mit Übergangszeit für die Fahrschulen.

Ursprünglich war ein Start Anfang 2027 vorgesehen. Der neue Termin soll Fahrschulen Zeit geben, Unterricht, Software und Abläufe umzustellen.[4] Einen sicheren Termin für die Behandlung im Bundesrat gibt es bislang nicht. Bis dahin gilt die bisherige Fahrschulausbildung unverändert.

Fahren mit Eltern: die umstrittenste Neuerung

Neu ist die sogenannte Laienausbildung. Fahrschüler sollen zusätzlich zur Fahrschule mit einer privaten Begleitperson üben dürfen, typischerweise mit Vater oder Mutter. Die Voraussetzungen sind eng gefasst:[2][3]

  • Der Fahrschüler hat die theoretische Prüfung bestanden.
  • Er hat mindestens sechs fahrpraktische Unterrichtseinheiten in der Fahrschule absolviert.
  • Begleitperson und Fahrschüler haben gemeinsam eine Einweisung in der Fahrschule erhalten. Diese Pflicht hat der Verkehrsausschuss ergänzt.
  • Die Begleitperson besitzt den Pkw-Führerschein seit mindestens sieben Jahren und hat höchstens einen Punkt in Flensburg.
  • Begleitperson und Fahrschüler stehen sich nahe, etwa als Eltern und Kind.

Hintergrund: Bundesland entscheidet

Das Gesetz schafft für die Übungsfahrten eine Erprobungs- und Verordnungsermächtigung. Ob es sie in einem Bundesland tatsächlich gibt, legt jedes der 16 Länder per eigener Verordnung fest. Fahrschüler in Bayern und Bremen können deshalb unterschiedliche Regeln vorfinden. Eine allgemeine Erlaubnis für private Fahrstunden ab sofort folgt aus dem Beschluss nicht.

Zusätzliche Pedale im Beifahrerfußraum eines Volkswagen Golf für den Fahrschulbetrieb.
Doppelpedale im Fahrschulauto. Archivmotiv aus der Volkswagen-Fahrschulübersicht, keine neue Ausstattung für 2027. Bild: Volkswagen AG

Genau hier setzen die Kritiker an. Ein privates Auto hat keine zweiten Pedale. Der Fahrschulinhaber Gerhard Tiessen, der als Sachverständiger im Ausschuss geladen war, nannte das Modell laut Fachpresse „äußerst ambitioniert“.[3] Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände lehnt die Laienausbildung ab und will die Pflicht zum Fahrschulbesuch in vollem Umfang behalten. Der Verkehrssicherheitsverband Moving begrüßt weniger Bürokratie, sieht in Übungsfahrten nach nur sechs Fahrstunden aber Risiken für die Sicherheit.[4]

Wird der Führerschein billiger?

Das ist die Frage, die die meisten Fahrschüler und Eltern interessiert, und die Antwort fällt vorsichtig aus. Das Bundesverkehrsministerium beziffert die Kosten für den Pkw-Führerschein derzeit auf durchschnittlich rund 3.400 Euro. Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) stellte Einsparungen von mehreren Hundert Euro in Aussicht, im besten Fall bis zu 1.000 Euro.[4] Eine ADAC-Sprecherin hielt im günstigsten Fall bis zu einem Drittel weniger für möglich.

Einordnung

Eine pauschale Ersparnis ist nicht belegt. Selbst SPD-Verkehrspolitiker Truels Reichardt räumte im Bundestag ein, die tatsächliche Wirkung sei noch nicht absehbar und hänge davon ab, wie Fahrschulen die neuen Freiheiten nutzen.[3] Die großen Kostentreiber bleiben bestehen: die Zahl der nötigen Fahrstunden, Personal- und Fahrzeugkosten sowie nicht bestandene Prüfungen. Wer Theorie per App lernt und weniger Sonderfahrten braucht, kann sparen. Wer viele Übungsstunden benötigt oder durchfällt, eher nicht.

„Die Ersparnis hängt am Ende von der Zahl der Fahrstunden und der Prüfungsquote ab, nicht vom Gesetzesblatt.“
Info-Aktuell.de, Zusammenfassung der Expertenanhörung

Kritik gibt es auch an der geplanten Preis- und Qualitätsdatenbank. Die Fahrlehrerverbände halten Bestehensquoten für ein ungeeignetes Qualitätsmerkmal, weil sie von Sprachkenntnissen, Prüfungsangst und anderen Faktoren abhängen. Sie befürchten, Fahrschulen könnten Bewerber mit erhöhtem Förderbedarf seltener annehmen.[3]

Jetzt anfangen oder bis Juli 2027 warten?

Für alle, die gerade überlegen, mit der Fahrschule zu beginnen, ist die Lage klarer, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Bis zum Start gilt das bisherige Recht. Wer heute beginnt, macht seinen Führerschein voraussichtlich vollständig nach den alten Regeln. Wer auf die Reform wartet, nimmt in Kauf, dass der Starttermin noch rutschen kann, dass das eigene Bundesland die Übungsfahrten möglicherweise nicht einführt und dass Fahrschulen im Sommer 2027 mit Umstellung und Andrang beschäftigt sind.

Situation Was dafür spricht Was dagegen spricht
Führerschein wird bald gebraucht (Ausbildung, Job) jetzt beginnen: planbar, bekanntes Verfahren mögliche Ersparnis entfällt
Kein Zeitdruck, Theorie fällt leicht Warten kann sich lohnen, wenn App-Theorie und weniger Sonderfahrten passen Starttermin und Landesregeln noch offen
Eltern wollen mitüben abwarten, ob das eigene Land die Laienausbildung einführt keine Garantie, dass das Land mitmacht

Nicht verwechseln: Reform, Umtausch und digitaler Führerschein

Rund um den Führerschein laufen derzeit mehrere Themen parallel, die oft durcheinandergeraten. Die Ausbildungsreform betrifft nur Menschen, die ihren Führerschein noch machen. Unabhängig davon läuft der Pflichtumtausch alter Papier- und Kartenführerscheine nach Geburtsjahrgängen und Ausstellungsjahr weiter, ebenso die Vorbereitung eines digitalen Führerscheins auf dem Smartphone. Welche Fristen für welche Jahrgänge gelten, was der Umtausch kostet und wie der Stand beim digitalen Führerschein ist, fasst der Ratgeber Führerschein-Umtausch 2026: Fristen, Kosten, Ablauf und digitaler Führerschein zusammen.

Ausblick

Als Nächstes ist der Bundesrat am Zug. Zu beobachten sind drei Punkte: ob die Länder dem Gesetz und der Verordnung ohne größere Änderungen zustimmen, welche Länder die Übungsfahrten mit Begleitpersonen tatsächlich einführen und ob der 1. Juli 2027 als Starttermin hält. Die Frage nach den Kosten wird sich erst beantworten lassen, wenn Fahrschulen ihre neuen Preise veröffentlichen und die geplante Datenbank Vergleiche ermöglicht.

Grafik: Lenkrad, Autoschlüssel und Smartphone auf Zeitungspapier, Titel Führerscheinreform 2027: Was jetzt beschlossen ist
Quellen und weiterführende Links (8)
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